Lieber Sommer,

ich weiß, du hast ein schweres Leben – erst wünscht man dich herbei und dann, wenn du endlich Einzug gefunden und dich in deiner vollen Pracht entfaltet hast, dann wünschen dich einige auch schon wieder hinfort. Zu warm, zu hell – zu viel Sommer.
Man kann uns Menschen einfach nicht mit dem glücklich machen, was wir haben – wir wollen immer das, was wir nicht haben. Oder wenigstens wollen wir das, was wir haben, ein bisschen anders!
Weil wenn wir jetzt herausschauen, auf die nasse Fensterbank und die Tropfen, die langsam unsere Fensterscheibe herunterlaufen, wenn wir hören, wie die Autos auf der Strasse dieses uns so wohlbekannte Geräusch erzeugen, das es es nur gibt, wenn der Regen wieder Einzug gehalten hat und wenn wir vor Kälte erschaudern, wenn wir registrieren, dass das kleine Thermometer neben dem Fensterbank 15 Grad anzeigt – dann wollen wir dich wieder zurück.
Und zwar mit dem frommen Wunsch in unserem Herzen, uns nicht wieder zu beschweren, wenn du mit deinen 35 Grad im Sack um die Ecke gebogen kommst, oder uns morgens zum niesen bringst, weil deine Sonnenstrahlen uns aus dem Schlaf kitzeln.
Wir wollen uns freuen und Weihnachten auslachen (das mögen wir nämlich frühestens ab November so richtig!), wenn wir Ende August die ersten Lebkuchen in den Händen halten, noch kurze Röcke und Flip Flops tragen; und zufrieden die ersten roten-goldenen Blätter im Biergarten fallen sehen, in dem wir noch sitzen können, weil du, lieber Sommer, noch immer bei uns bist.
Wir lieben dich doch dafür, dass wir morgens mit einem Lächeln auf den Lippen aus dem Bett springen, unsere liebsten Kleider herausziehen und uns präsentieren in unserer Sommers-Lust.
Und ich, die Frau Brit ganz persönlich, habe noch ein paar Dinge, die noch gar nicht in den Genuss kommen konnten dich persönlich und live zu genießen – du musst zurück kommen und ihnen auch die Möglichkeit geben, zu erleben, wie er ist, der Sommer.
Meinen Schuhen, die ich im Winter gekauft habe, weil sie günstig waren und “so anders” – sie warten noch auf den Tag, an dem ich den Jeansrock aus dem Schrank hole und sie endlich an die Füße ziehe. Verwehre ihnen das nicht!

Oder meine rote Haarblume, die darauf wartet, das endlich eines der roten Teile ausgetragen wird, damit sie einen schönen Farbklecks in meinem blonden Haar geben können, das golden schimmert, wenn deine Strahlen es in einem bestimmten Winkel bescheinen.

All das – und noch viele andere Dinge – warten noch darauf in die warmen Sommertage in diesem Jahr entlassen zu werden.
Hab Nachsicht mit uns Menschen – die Meisten von uns lieben dich doch und nörgeln nun einmal, weil wir so sind, wie wir sind: Nie zufrieden mit dem was wir haben.
Wir versuchen daraus zu lernen, lieber Sommer. Komm doch bitte zurück – ich verspreche, das wir unser Bestes geben werden.
Ich freue mich auf dich!
Brit